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Sizilienreise

© Willi Schnitzler     

SizilienreiseDienstag, 20. Dezember 2005

Ankunft um 13.45 Uhr in Palermo, nachdem der Großteil der Passagiere dem Piloten mit einer einminütigen Ovation seine Huldigung ausgesprochen hat. Im Gegensatz zu Deutschland scheint, als wir uns endlich aus dem Gewusel des Flughafens befreit haben, hier die Sonne. Es ist angenehm warm. Nicht dass wir uns die Hemden vom Leid gerissen hätten, aber immerhin ... 

 

Warten auf den Bus nach Granada

© Willi Schnitzler     

Warten auf den Bus nach Granada - Puente Romano CordobaHabe den Bus nach Granada um glatte sieben Minuten verpasst, weil ich wieder einmal in die falsche Richtung gelaufen bin. Der nächste Bus fährt nun eineinhalb Stunden später um halb Elf. Sitze nun in einer Busstation für überregionale Busse, die erstens schlecht zu finden ist und zweitens aussieht wie ein Gefängnis zur Franco-Zeit, zumindest hat es diesen Charme. Knapp 20 DM kostet das Billette – das kostet in Essen schon eine Taxifahrt innerhalb der Stadt. Durch die Glasscheiben mir gegenüber kann ich die angestrahlte Decke des Hangars sehen. Rechts von mir befindet sich der Schalter, in dem gerade ein Mann und eine Frau mit den Tücken eines Computers beschäftigt sind. Unter den Fenstern breitet sich der Busbahnhofskiosk aus, der nicht nur Zeitungen und Magazine, nein, auch Computersoftware und Videos – in kleiner Menge – offeriert. Es ist Nichtraucherzone, da, wo ich sitze – aber sie rauchen wieder mal alle, und ich bewundere die Firma, die diese Nichtraucherschilder herstellt und sie auch noch verkauft bekommt. Eine blonde Puppe in Begleitung ihrer Matronenmutter wälzt unentwegt ein Kaugummi in ihrem geschminkten Lippenmund. Ein Japaner fährt nach Sevilla. Woher ich das weiß: Er hat es erwähnt, als er mich fragte: „You Sevilla, too!“

 

Schiffsreise von Santa Cruz de la Palma nach Cadiz

© Willi Schnitzler     

Seereise - LotsenbootIch besteige das Flugzeug und weiß, dass ich noch am selben Vormittag auf der kleinen Kanareninsel La Palma ankomme. Sie liegt wie eine Zuckerrübe im Blau des Atlantischen Ozean, auch wenn es diesmal aufgrund eines heftigen Sturms nicht ganz so einfach ist, das Flugzeug auf dem kurzen Rollfeld von Santa Cruz zu landen. Doch die Insel soll lediglich eine Zwischenstation sein. Ich will nächste Woche das Schiff nach Cadiz nehmen. Also genau die entgegengesetzte Richtung zu den Entdeckungsfahrten der Phönizier des 9. bis 12. Jahrhunderts, als die andalusische Hafenstadt noch Gadir hieß, die Eingeschlossene. 

 

Pyrenäenblues

© Willi Schnitzler     

PyrenäenbluesDie Stimmung weckte in mir die Erinnerung an einen Märztag, der sich hinter dem Pic du Canigou verabschiedete. Ich sah mich zum Himmel von Frankreich aufblicken und den schneeweißen großen Berg beobachten, während ich allein in diesem alten französischen Landhaus saß. Mas Pandorra, eingeritzt in ein verwittertes Stück Holz (der unwissende Schnitzer hatte während der Arbeit an Andorra gedacht). Eine große Stille hatte mich aufgeschreckt, der Wind sich erschöpft, den Frühjahrsregen aufgelöst und Nebel sich des Landes bemächtigt, der alles sanft einhüllte und in der langsam alternden Nacht verklang. 

 

Eine kleine Geschichte von der Paketpost in Krakau

© Willi Schnitzler     

Paketpost in KrakauNun überrascht mich Hanna, dass ein Professor der Mainzer Universität ihr ein Paket mitgegeben hat.

»Ich muss es hier in Polen zur Post bringen«, klärt sie mich auf, »damit es nach Warschau geschickt werden kann. Soll billiger sei.«

Ich verstehe die Welt nicht mehr und bin verärgert, nicht über die Frau, sondern über diesen elenden Geizkragen.

»So ist er eben«, sagt sie mit einer Unbedarftheit, die mich fast die Wände hochgehen lässt.

 

Nachtzug nach Krakau

© Willi Schnitzler     

Nachtzug nach KrakauDer Geschmack der Weihnachtsgans klebt noch vage auf der Zunge, als wir abgehetzt den düsteren Frankfurter Bahnhof erreichen. Es ist 23.56 Uhr des endenden zweiten Weihnachtstages, und uns bleiben nur noch vier Minuten, wenn der Zug, der auf einem Gleis wartet, das offensichtlich mit dem Licht der Laternen nichts zu tun haben möchte, planmäßig abfährt. Dem Anschein nach ist er ein echter Warschauer Pakt Transportgenuss. Dunkler, als alle Züge, die ich kenne, kommt er mir vor und um ein Vielfaches schmutziger. Er verströmt den Liebreiz eines Viehtransporters der dreißiger Jahre. Zu meiner Freude aber wird der Zug von einer altmodisch aussehenden, dampfenden Lokomotive gezogen.

 
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