Wie Gütesiegel und Prüfzeichen Verbrauchern helfen
(r-g-z).- Beim Blick in die Supermarkt-Regale verwirrt nicht
nur die Auswahl der Angebote, sondern auch die Vielfalt an
Gütesiegeln oder Prüfzeichen: Ob Nahrungsmittel, Kleidung,
Baustoffe oder Kosmetik – für jeden Bereich gibt es häufig
eine ganze Reihe verschiedener Kennzeichen, die Redaktion
der Zeitschrift Öko-Test verzeichnet allein 263. Neben der
Herkunft und der Qualität des Produkts beurteilen diese so
genannten Labels die Einhaltung von Umweltstandards während
der Produktion. Unterschieden wird zwischen:
- Eigenmarken: Das sind firmeneigene Labels, mit denen die
Hersteller mindestens eine Produktlinie kennzeichnen.
- Gütezeichen: Diese Zeichen sind nach einem besonderen Prüfverfahren
anerkannt und entsprechen den wettbewerbsrechtlich geschützten
"Grundsätzen für Gütezeichen" der RAL (www.ral.de). Diese
gemeinsame Initiative der Spitzenverbände der Wirtschaft und
des Staates wurde 1925 als Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen
gegründet. Sie schafft Gütezeichen und überwacht deren Träger,
die Gütegemeinschaften.
- Prüfzeichen: So werden Labels bezeichnet, die von wissenschaftlich-technischen
Instituten (z. B. dem TÜV) vergeben werden. Es wird geprüft,
ob das Produkt die sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllt
und für den Gebrauch tauglich ist. Bei den Prüfungen kann
es sich um aufwändige Laboruntersuchungen, aber auch um stichprobenhafte
Kontrollen der Produkte handeln.
- Regionalzeichen oder Herkunftszeichen: Sie werben für Produkte
einer bestimmten Region.
- Umweltzeichen oder Öko-Labels: Dies sind Kennzeichen, die
sich auf die Umwelteigenschaften eines Produkts oder dessen
Produktion beziehen. Sie finden sich etwa auf Bio-Lebensmitteln,
die umweltschonend hergestellt sind, oder auf Produkten, die
sich durch geringe Schadstoffbelastung auszeichnen bzw. besonders
umweltfreundlich entsorgt werden können. Dabei gibt es Umweltzeichen,
die sich auf Einzelaspekte konzentrieren (z. B. chlorfrei gebleicht),
oder solche, die sich auf den gesamten Lebenszyklus eines
Produkts beziehen. Verbraucher sollen durch Labels einen Wegweiser
beim Einkauf bekommen und wissen, dass die Qualität von Produkten
und Dienstleistungen stetig neutral überprüft wird. Ob ein
Label erfolgreich ist, hängt davon ab, ob die zugrunde liegenden
Anforderungen erfüllt werden. Ein kleiner Überblick erläutert
eine Auswahl bekannter Zeichen.
- Der Blaue Engel (Gütezeichen, vergeben von RAL): Seit 1978
unterscheidet der Klassiker vergleichsweise ökologischere
Produkte und Dienstleistungen von anderen. Außerdem enthält
das Zeichen immer einen konkreten Hinweis, z. B. bei Farben:
"Der Blaue Engel, weil emissionsarm".
- GS (Prüfzeichen, vergeben vom TÜV Rheinland und anderen):
Das GS-Zeichen steht für geprüfte Sicherheit. Es basiert auf
dem Gerätesicherheitsgesetz und wird von Instituten vergeben,
die vom Arbeitsministerium zugelassen sind. Unabhängige Labors
prüfen, wie strapazierfähig Artikel sind – hinzu kommt eine
Qualitätskontrolle des Herstellers im Werk.
- VDE (Prüfzeichen, vergeben vom Verband Deutscher Elektriker):
Das verbandseigene VDE-Zeichen bestätigt die elektronische
Sicherheit eines Produkts bei sachgerechter Behandlung.
- Biologische Landwirtschaft / Ökologischer Landbau (Umweltzeichen,
vergeben von der EU-Kommission): Garantiert werden echte Bio-Produkte,
die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus hergestellt
sind. Verboten ist der Einsatz von Gentechnik, allerdings
muss der Landwirt nicht den gesamten Betrieb auf ökologischen
Landbau umstellen.
- Bio nach EG-Öko-Verordnung (Umweltzeichen, vergeben vom
Bundesministerium für Verbraucherschutz): Das Bio-Siegel steht
für staatlich geprüfte Bio-Produkte, die den Anforderungen
der EG-Öko-Verordnung entsprechen. Den Zeichendschungel (allein
für Fleisch gibt es rund 40 Bio-Siegel sowie über 60 für konventionelles
Markenfleisch) wird das neue Zeichen schon deshalb nicht lichten,
weil der Bund für Umwelt und Naturschutz vorrechnet, dass
80 Prozent der deutschen Öko-Lebensmittel schärferen Kriterien
genügen, als sie das Siegel vorschreibt. Daher werden etablierte
Verbände auf eigene Kennzeichen voraussichtlich nicht verzichten.
- TransFair (Gütezeichen, vergeben vom Verein zur Förderung
des Fairen Handels): Lizenzierte Importeure kaufen die Rohprodukte
direkt bei den Erzeugern ein. Diese werden deutlich über Weltmarktpreis
bezahlt. Zuschläge sollen für die Verbesserung von Lebens-
und Arbeitsbedingungen der Kleinbauern bzw. Plantagenarbeiter
sorgen. Ökologischer Anbau wird gefördert, ist aber keine
Voraussetzung. Siehe auch Fair-Einkaufsmöglichkeiten
- CMA (Gütezeichen, vergeben von der Centralen Marketing-Gesellschaft
der deutschen Agrarwirtschaft): Produkte mit dem CMA-Gütezeichen
werden ständig neutral nach den Bestimmungen des Prüfsystems
für den jeweiligen Produktbereich kontrolliert. Dazu gehören
Prüfungen im den Bereichen Sensorik (z. B. Geruch), Analytik
(z. B. Inhaltsstoffe), Mikrobiologie (etwa Hygiene) und Zusatzkriterien
(etwa Verpackung).
- Öko-Tex Standard 100 (Gütezeichen, vergeben von der Öko-Tex-Zertifizierungsstelle):
Dieses Zeichen, das die Überprüfung von Textilien auf Schadstoffe
garantieren soll, wird von der Zeitschrift Öko-Test als ungenügend
beurteilt. Ein Grund: Krebs erzeugende aromatische Amine werden
erst ab einem bestimmten Grenzwert beanstandet und Formaldehyd
gilt in Textilien für Erwachsene erst ab 75 Milligramm pro
Kilo als nicht mehr akzeptabel.
- Kontrollierte Natur-Kosmetik (Gütezeichen, vergeben vom
Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen
für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und
Körperpflege BDIH): Das Zeichen dürfen nur Produkte tragen,
die Mindestanforderungen an die Gewinnung und Verarbeitung
der Kosmetikrohstoffe erfüllen. So sollten etwa pflanzliche
Rohstoffe möglichst aus kontrolliert-biologischem Anbau stammen.
- Internet-Gütesiegel: Diese Zeichen sollen signalisieren,
dass in den virtuellen Internet-Läden Datenschutz, Zahlungsverkehr
und Beschwerdewesen vernünftig geregelt sind. Die von der
Wirtschaft getragene Initiative D21 empfiehlt unter der bunten
Reihe der Labels folgende Gütesiegel: Eurolabel, Trusted Shops,
Safer Shopping und Webtrust.
- Certificate of Quality / Teppichbodensiegel (Gütesiegel,
vergeben von der Europäischen Teppich-Gemeinschaft ETG): Das
Certificate of Quality (ein rotes T) dient als Orientierungshilfe
bei der Wahl des richtigen Teppichbodens. Die Qualität und
die Umweltfreundlichkeit des Produkts werden durch Sterne
bewertet, dabei fließen die in neutralen Instituten ermittelten
Prüfergebnisse ein. Die Strapazierfähigkeit und Einsatzbereiche
des Teppichbodens – ob im privaten oder im geschäftlichen
Bereich – drückt sich in Piktogrammen aus. Zusatzeignungen
sind extra erläutert, etwa ob der Teppich auf Böden mit Fußbodenheizung
verlegt werden kann.
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